Zum Inhalt springen
Friedensinitiative Hunsrück Hunsrücker Friedensbewegung seit 1979
Suche

Aktuell · Veranstaltungen

Andreas Zumach: Es gibt Alternativen zur „Zeitenwende“

Bericht vom Vortrag am 22. Oktober 2026 in Simmern

Ist die „Zeitenwende“ wirklich alternativlos? Für den Journalisten und Publizisten Andreas Zumach ist die Sache klar: Nein, es gibt Alternativen. Für ihn steht diese Zeitenwende für etwas ganz anderes: „Wir erleben derzeit die schwerwiegendste Hochrüstung und die stärkste innergesellschaftliche Militarisierung seit 1945“, betonte er bei einem Vortrag in Simmern, zu dem der Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung zusammen mit der Attac-Regionalgruppe Hunsrück-Nahe eingeladen hatte.

Andreas Zumach spricht mit Mikrofon vor dem Publikum im Saal
Andreas Zumach beim Vortrag am 22. Oktober 2026 im Paul-Schneider-Haus in Simmern.

Deutliche Worte eines Journalisten, der seit mehr als 40 Jahren die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik kritisch begleitet, der über viele Jahre als Korrespondent über die UN und die NATO berichtete und als Experte für internationale Beziehungen und Konflikte gilt. Und er warnt vor den Folgen dieser Hochrüstung: „Das Ergebnis ist eine hohe Verschuldung und ein Kahlschlag nicht nur in den Sozialhaushalten, sondern in allen Bereichen.“ Für Andreas Zumach ist es eine Militarisierung auf Kosten der Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Dabei sieht Zumach die Begründung für diese Zeitenwende eher skeptisch, wie er in Simmern vor mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörern betonte. „Es ist immer wieder von einem drohenden Angriff Russlands die Rede, für den man sich wappnen müsse“, erläuterte er. Doch dies hält er für unwahrscheinlich: „Seriöse Forschungsinstitute sehen Russland dazu nicht in der Lage und betonen, dass die NATO Russland deutlich überlegen ist. Auch dies muss bedacht werden“, machte er deutlich.

Er wolle mögliche Attacken der russischen Seite nicht verharmlosen, auch würde es in Russland eine massive Aufrüstung geben, räumte Andreas Zumach ein. Doch die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Sanktionen des Westens würden auch in Russland nicht ohne Folgen bleiben und für Probleme sorgen, gab er genauso zu bedenken. Und natürlich müsse man auch immer deutlich machen: „Es ist ein völkerrechtswidriger Krieg, den Russland hier führt, der durch nichts zu rechtfertigen ist, selbst wenn man russische Sicherheitsinteressen anerkennt.“

Andreas Zumach im Gespräch mit dem Publikum
Mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen zum Vortrag nach Simmern.

„Der Krieg in der Ukraine ist ein Krieg der Illusionen“, betonte der Journalist. Putin habe gedacht, er könne in wenigen Tagen das Land überrollen, der Westen habe am Anfang nicht geglaubt, dass die Ukraine standhalten könne, dann sei die Hoffnung entstanden, dass die Ukraine den Aggressor zurückdrängen würde. „Nun erleben wir einen Stellungskrieg, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Darum ist für mich klar: Dieser Krieg ist nicht militärisch, sondern nur durch Verhandlungen zu beenden“, betonte Zumach in Simmern.

Allerdings räumte der Journalist ein, dass Verhandlungen derzeit nicht einfach seien. „Alle, die sowas fordern, setzen sich einem Dauerfeuer der Diffamierungen aus. Doch was wäre die Alternative?“, so Andreas Zumach, der dabei auf Erfahrungen aus dem Vietnamkrieg oder den Konflikten mit dem Iran verweist. „Es geht darum, Gespräche zu führen, nicht in einem öffentlichen Rahmen, sondern als Sondierungen, bei denen Möglichkeiten abgeklärt werden können, was machbar ist und was nicht. Und erst danach kann es öffentliche Verhandlungen geben“, erläuterte er als eine Möglichkeit. Im Vietnamkrieg hätte das viele Jahre gedauert, gab er zu bedenken.

Damit solche Sondierungen erfolgreich sein könnten, seien allerdings auch Vorbedingungen erforderlich, fügte Andreas Zumach hinzu. Dazu gehöre, dass es keinen Beitritt der Ukraine zur NATO geben dürfe, dass keine westlichen Truppen in der Ukraine stationiert würden, sondern eine UN-Truppe mit Soldaten aus nicht-europäischen Ländern, dass die jetzige Frontlinie eingefroren würde, die russisch besetzten Gebiete unter eine UN-Verwaltung kämen und am Ende ein Referendum über deren Zukunft stehen sollte.

Blick von hinten über das Publikum zum Redner im Saal
Eingeladen hatten der Verein für friedenspolitische und demokratische Bildung und die Attac-Regionalgruppe Hunsrück-Nahe.

Dabei sah er in den US-amerikanischen Vermittlungsbemühungen wenig Aussichten auf Erfolg. „Es ist höchste Zeit für eine europäische Vermittlung, um solche Verhandlungen zu beginnen“, machte Andreas Zumach deutlich. Und danach könnten dann auch wieder Gespräche über einen globalen Klimaschutz, über Abrüstung und Entspannung folgen. Dies könne eine Alternative zu Hochrüstung und Militarisierung sein, meinte er überzeugt und betonte: „Dann wäre auch eine positive Zeitenwende möglich.“

Presseinformation des Vereins für friedenspolitische und demokratische Bildung e. V., Kirchberg, 23. Oktober 2026. Zur Ankündigung der Veranstaltung.

← Zurück zu Veranstaltungen